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Das klingende Tal






Ich möchte Ihnen auf dieser Seite das Musikbuch "Das klingende Tal" als Ergänzung zu meiner
Homepage wärmstens empfehlen
.


Referat

Laudatio DAS KLINGENDE TAL
Alois Koch

Liebe Rotarier, liebe Entlebucher, meine Damen und Herren
Noch hat es niemand so richtig bemerkt: Die Entlebucher sind wieder einmal die
ersten im Lande, mindestens was die kompetente Aufarbeitung ihrer
musikalischen Tradition, ihrer eigenen Musikgeschichte betrifft. Ich bin ehrlich
beeindruckt und wirklich begeistert über das prächtige Buch DAS
KLINGENDE TAL –
Geschichte der Musik, des Musizierens und der
musikalischen Institutionen im Entlebuch
.

Wie habt Ihr das nur gemacht? Ihr engagiert einen höchst kompetenten (dem
Namen nach einheimischen) Musikwissenschaftler: Dr. Hanspeter Renggli, Ihr
mobilisiert eine ganze Reihe qualifizierter Referenten, praktisch alle aus diesem
„klingenden Tal“ und stellt eine Enzyklopädie der Musik des Entlebuches in die
Welt, die es sowohl dem Laudator wie dem Rezensenten schwer macht, die
Fülle des Inhaltes auch nur zu skizzieren. Dabei ist das Buch ebenso
faszinierend zum drinnen schmökern (oder wie es neudeutsch heisst: zu surfen),
als auch zum intensiven Studium einzelner Beiträge, je nach persönlichem
Interesse.

Ohne jetzt voreilig zu werten oder zu gewichten, habe ich zum Beispiel mit
grösster Aufmerksamkeit die zahlreichen Beiträge zur Thematik
VOLKSMUSIK gelesen, angefangen von der systematischen Aufarbeitung der
originalen Entlebucher Volksmusik durch Hans Zihlmann, die mir dokumentiert
hat, was ich schon immer behauptete: Das Entlebuch ist bis in die letzten
Berghöfe hinauf und bis in den hintersten „Chrachen“ hinein urmusikalisch – es
ist (in Anlehnung an eine auf Böhmen gemünzte Bezeichnung) das
„Konservatorium der Zentralschweiz“, nur noch vergleichbar mit dem Kanton
Appenzell. Die vielen Orchestermusiker mit Entlebucher Wurzeln in den
Schweizer Berufsorchestern, Hochschulen und Musikgremien belegen übrigens
diese Aussage – und ich bin selber sehr stolz, mindestens mütterlicherseits
Entlebucher Wurzeln zu haben (Renggli und Stalder).

Für Aussenstehende ist die Musik des Entlebuches spontan mit drei Themen
verbunden: Mit der Volksmusik (darüber haben wir gehört), mit der Blasmusik
und mit dem Musiktheater.

Zuerst zur BLASMUSIK:

Wer in der Brass-Szene kennt nicht die schweizerischen Spitzenformationen aus
dem Entlebuch (Ruedi Emmenegger gibt darüber umfassend Auskunft), wer
weiss nicht, welche Hochblüte die konservativ-liberale Konkurrenz im
Blasmusikwesen verursacht hat (naive Frage: Ist das schon Geschichte und nicht
mehr aktuell?) - Martina Emmenegger Burkart und Brigitte Hofmann haben
sich eingehend damit befasst. Und selbst spezifische Zweige dieser
schweizerisch einzigartigen Bläsertradition kommen im KLINGENDEN TAL
zur Darstellung, die „Guggenmusikalische Entwicklung“ durch Willi Schmidlin
und die „Geschichte des Tambourenwesens“ durch Toni Hurni. Dass mit dem
Blasmusikwesen höchst profilierte Komponisten und Dirigenten von
überregionaler Bedeutung verbunden sind, versteht sich bei dieser Qualität, das
Buch widmet den auch einen wichtigen Abschnitt dem Wirken von
Einzelpersönlichkeiten, ich komme gleich darauf noch zu sprechen.
In einem ähnlichen Spannungsfeld wie die Blasmusik agierte übrigens das
CHORWESEN, welches in der traditionellen Form heute mit Repertoire- und
Besetzungsschwierigkeiten konfrontiert ist, Kurt Rüegg hat sich damit
auseinandergesetzt und Hanspeter Renggli sichtete das Repertoire in
Vergangenheit und Gegenwart.

Doch weiter zur Frage der musikalischen Aussenwahrnehmung: Wer kennt nicht
die Entlebucher Operettentradition, die den Grossteil dieser Talschaft seit mehr
als 150 Jahren infiziert hat und die während der Spielsaison eine Invasion von
Reiscars mit Fan-Publikum aus der ganzen Schweiz und weit darüber hinaus zur
Folge hat, von der das professionelle Luzerner Theater oft nur träumen kann.
Wiederum Hanspeter Renggli hat sich dieser Sparte eingehend gewidmet in den
historisch informativen Aufsätzen zur Thematik „Musiktheater und
Orchesterkultur“. Dass „Gasparone“ zur Zeit von einer ehemaligen Studentin
von mir dirigiert wird, freut mich natürlich ganz besonders, ich hoffe, sie macht
ihre Sache gut!

(KOMPONISTEN)
Von ganz besonderem Informationsgehalt und für eine Gesamtschau zentral
empfinde ich das Kapitel über „Komponieren im Entlebuch“. Es reflektiert
personell, was das KLINGENDE TAL in seinen vielfältigen Sparten zu bieten
hat und stellt eine Art Ahnengalerie der Jodel- und Volksmusik, der
Kirchenmusik, der Chormusik, der Blas- und Orchestermusik dar, in der – und
das scheint mir symptomatisch – praktisch alle autochthonen Entlebucher
Namen auftauchen, von Brun, Duss, Felder, Lötscher, Renggli bis hin zu Rössli,
Scheidegger, Stadelmann, Wicki und Zihlmann; für einige Namen finden sich
im Buch ja auch ausführlichen Genealogien.

Aber auch sogenannte „grosse“ Namen werden hier biografiert, so der
Spätromantiker Fritz Brun, der Avantgardist Philipp Eichenwald, der
Blasmusikpionier Albert Benz, die Performerin Margrit Schenker oder der
Youngster Reto Stadelmann. Die meisten kannte oder kenne ich persönlich,
hingegen wusste ich absolut nicht, dass das Lied der Gilberte de Courgenay aus
Doppleschwand stammt (wo übrigens mein Grossvater herkommt), das war eine
echte Entdeckung!

Sie sehen, liebe Rotarier, meine geschätzten Damen und Herren, das von Benno
Baumeler, Hanspeter Renggli und Benno Zemp realisierte, auch grafisch
attraktive Buch DAS KLINGENDE TAL ist eine unglaubliche musikalische
Fundgrube, in der zu wühlen ein Vergnügen ist. Aber nicht nur ein Vergnügen,
sondern darüber hinaus ein echter wissenschaftlicher Beitrag, der in einem
ausführlichen Anhang die Quellen und Recherchen professionell dokumentiert
und mit dem Hinweis auf das im Jahre 2000 gegründete Entlebucher Archiv
auch nachhaltig wirken will.

Deshalb möchte ich zum Schlusse der Hoffnung Ausdruck geben, dass
möglichst bald andere Regionen und Gebiete der Schweiz dieser einzigartigen
Entlebucher Initiative nacheifern, damit endlich eine umfassende aktuelle
Musikgeschichte der Schweiz geschrieben werden kann. Die letzte datiert
nämlich von 1932, verfasst vom verdienstvollen Musikwissenschaftler
Cherbuliez, noch vielsagend unter dem Titel „Die Schweiz in der deutschen
Musikgeschichte“.

Der Rotary Club Entlebuch hat heute mit der Vernissage seines Buches DAS
KLINGENDE TAL die Initialzündung gegeben – ich danke und gratuliere Ihnen
heute, am Tag der Heiligen Caecilia, der Patronin der Musik, nochmals ganz
herzlich!




Das Buch ist im Fachhandel oder beim Rotary Club Entlebuch zum Preis von 39.- erhältlich

Rotary Club Entlebuch
Postfach 75
CH-6162 Entlebuch


© by Serge Schmid 2010




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