Beobachtung Veränderlicher Sterne


CY Aqr    AK Her    U Gem    BB Vul    SIR V03 - V06


CY Aquarii....

.....ein kurzperiodischer Delta-Scuti-Veränderlicher.

Meine ersten Beobachtungen an Veränderlichen Sternen habe ich mit der CCD-Kamera LcCCD14SC von OES an CY Aqr durchgeführt. Die Belichtung dauerte 40 Sekunden pro Bild. Nach Bearbeitung mit EXCEL entstand daraus das abgebildete Diagramm.

 

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AK Herculis...

.... ein Bedeckungsveränderlicher des W-UMa-Typs. Diese zeigen eine sich kontinuierlich ändernde Lichtkurve, wobei Haupt- und Nebenminima fast gleich tief sein sollten. Es sind also Kontaktsysteme, bei denen die Komponenten durch ihre große Nähe erheblich verformt sind. Die Perioden liegen meist unter einem Tag, die Amplituden reichen bis 0m8.

Ich habe den Veränderlichen in fünf Nächten mit der CCD-Kamera LcCCD14SC von OES am 4"-Refraktor beobachtet. Mit Hilfe des zugehörigen Fotometrieprogramms habe ich die Aufnahmen ausgewertet und mittels EXCEL als Grafik dargestellt. Auf diese Weise erhielt ich fünf Kurvenstücke. Die Gesamtlichtkurve habe ich dann auf Basis der Angaben aus dem GCVS hergestellt. ( Epoche: 2442186,4600; Periode: 0,42152201 d). 

Es fällt sofort auf, dass das beobachtete Minimum nicht mit dem berechneten Minimum zusammenfällt. Es ergibt sich ein Phasenunterschied von 0,029 Phasenteilen. Nach Hoffmeister/Richter/Wenzel "Veränderliche Sterne" liegt der Grund dafür in der elliptischen Umlaufbahn der Partner. Da es sich um einen Doppelstern handelt, kann es durch die Drehung der Apsidenlinie zu einer periodischen Veränderung der (B-R)-Werte kommen. Bei diesem Veränderlichen beträgt die Umlaufperiode der Apsiden das  49100fache der Umlaufperiode der Komponenten. Spätere Messungen müssten also eine Verschiebung erkennen lassen.
Neuere spektroskopische Messungen haben aber ergeben, dass die Umlaufbahn nahezu kreisförmig ist. Wie das nachfolgend abgebildete und von Michael Dahm (BAV) mitgeteilte B-R-Diagramm zeigt, ist die Veränderlichkeit der Periode auch nicht periodisch. Auch durch diesen Befund scheidet die Drehung der Apsidenlinie als Ursache aus. Möglicherweise liegt der Grund in dem wie bei vielen Sternen des W-UMa-Typs unregelmäßigen Massenaustausch der Kontaktpartner.

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U Geminorum als Bedeckungsveränderlicher

Im Januar, Februar und März 2008 konnte ich meine Beobachtungen an U Geminorum als Bedeckungsveränderlichen aus dem vergangenen Jahr fortsetzen. Dabei habe ich den Stern in dreizehn Nächten jeweils über mehrere Stunden ungefiltert mit der CCD-Kamera AlphaMaxi von OES am SCT C9¼ aufgenommen. Die Länge der Einzelaufnahmen betrug 60 Sekunden bei Binningstufe 3 (27µm-Pixel). Wie die Lichtkurven zeigten, führte diese Kombination aus geringer Helligkeit des Systems, nur etwas mehr als neun Zoll Öffnung und dabei nur eine Minute Belichtungszeit zu einer merkbaren Streuung der Datenpunkte. Diesen Kompromiss musste ich aber eingehen, um den Verlauf des Minimums einigermaßen abbilden zu können. In guten Nächten konnte ich Lichtkurven mit zwei Minima gewinnen. Neben Aufnahmen in der Ruhephase des Systems gelangen mir auch einige Aufnahmeserien während der Ausbruchsphase, hier allerdings mit wesentlich kürzerer Belichtungszeit. Nach der Dunkelstrom- und Flatfieldkorrektur rechnete ich den Aufnahmezeitpunkt auf das heliozentrische Julianische Datum um. Bei der sich anschließenden fotometrischen Auswertung kam wiederum das Fotometrieprogramm Muniwin Ver. 1.1.23 von David Motl zum Einsatz.

Zum besseren Verständnis der nachfolgenden Ausführungen eine tabellarische Darstellung des Systems U Geminorum. Dabei greife ich auf die Angaben von Zhang und Robinson [1] zurück.  

Zur Veranschaulichung verweise ich auf die Animation eines Modells von V348 Pup auf der Internetseite der BAV [2]. Bei U Gem wird allerdings der Weiße Zwerg vom Begleiter nicht bedeckt! Weiterhin gibt es im unteren Bereich der Internetseite der BAV zu U Gem [3] eine Lichtkurve mit erläuternden Grafiken.  

Ruhephase

Ein Vergleich der im Februar und März erhaltenen Lichtkurven zeigt, dass sich der gesamte Zyklus in immer wiederkehrende Abschnitte einteilen lässt.  Ich zeige dies am Beispiel der Lichtkurve vom 08.02.2008.  

Gesamtlichtkurve des Systems U Geminorum vom 08.02.2008. Die Bedeutung der roten Buchstaben ist im Text erläutert. Die scheinbare Helligkeit des Systems schwankt im Ruhezustand zwischen 14,1 mag und 15 mag. Die differentielle Helligkeit (mag diff.) beschreibt die zu einem ausgewählten Vergleichsstern gemessene Helligkeitsdifferenz (U Gem - Ref.1). Zur Beurteilung der Datenqualität wird die Helligkeit dieses Vergleichssterns mit einem weiteren Stern verglichen (Ref.1 - Ref.2). Ergibt dieser zweite Vergleich eine waagerechte Linie mit möglichst geringen Abweichungen, so sind die erhaltenen Messwerte recht vertrauenswürdig. Erhält man dabei allerdings einen Kurvenzug oder eine Gerade mit einer merkbaren Steigung, so ist mindestens einer der Vergleichssterne selbst veränderlich und man muss einen anderen Stern verwenden.  

Im Punkt A der Lichtkurve wird der „Heiße Fleck“ am linken Außenrand der Akkretionsscheibe allmählich für uns sichtbar und dreht sich mit ihr innerhalb der nächsten 69 Minuten vollständig auf uns zu. Damit erreicht die Helligkeit bei Punkt B ihren Höhepunkt. Durch die weitere Drehung der Scheibe fällt das Maximum der Strahlung des „Heißen Flecks“ nicht mehr in unsere Richtung und die Helligkeit geht in diesen 32 Minuten wieder um rund 0,16 mag zurück.

Wir sind im Punkt C. Nun beginnt die Bedeckung des „Heißen Flecks“ durch den Begleitstern und die Helligkeit fällt innerhalb von nur 13 Minuten um fast 0,75 mag ab. Der folgende Anstieg dauert dagegen lediglich etwa 6 Minuten, bleibt aber rund 0.2 mag unter der Helligkeit zu Beginn der Bedeckung. Dies ist verständlich, weil sich der „Heiße Fleck“ weiter aus unserer Sichtlinie gedreht hat. In der Lichtkurve ist jetzt der Punkt D erreicht.

Im weiteren Verlauf zeigt die Helligkeit für rund 60 bis 80 Minuten schnelle Schwankungen von 0,1 bis 0,2 mag (bis Punkt E). Danach fällt die Helligkeit bis zum Beginn des nächsten Zyklus (Punkt A2) weiter um fast 0,2 mag ab, wobei deutliche Helligkeitsschwankungen nun nicht mehr sichtbar sind. Der Abschnitt D bis A2 ist im Erscheinungsbild aber äußerst variabel.

Die eben angegebenen Helligkeitswerte können je nach Aktivität der Akkretionsscheibe und des „Heißen Flecks“ um rund 0,1 mag schwanken. Auch in der Ruhephase ist das System nicht wirklich ruhig.  

Ausbruchsphase

In vier Nächten konnte ich jeweils mehrstündige Serien von U Gem während eines Ausbruchs aufnehmen. Hier zeigt sich, dass das System auch in der Ausbruchsphase kleineren Helligkeitsschwankungen unterworfen ist. So zeigt die nachfolgende Lichtkurvensammlung, dass am 16.02.2008 noch ein leichter Anstieg in der Kurve selbst zu verzeichnen ist, am 19.02.2008 möglicherweise das Maximum erreicht ist, und am 23. u. 24.02.2008 die Helligkeit schon wieder um mehrere Zehntel nachgelassen hat.  Mit Ausnahme des 23.02.2008 liegen die auftretenden Minima alle vor der Phase 1, also vor dem Minimum der Bedeckung des „Heißen Flecks“. Damit scheint sich hier die Bedeckung der Akkretionsscheibe durch den Roten Zwergstern abzubilden. Man beachte auch die geringe Tiefe der Minima.  

Vier phasenrichtig aufgetragene Gesamtlichtkurven des Systems U Geminorum während eines Helligkeitsausbruchs. Die differentielle Helligkeit bezieht sich hier auf andere Vergleichssterne als am 08.02.2008. Die maximale scheinbare Helligkeit während dieses Ausbruchs betrug 9,3 mag.

Meiner Meinung nach hat sich der Ausbruch von U Gem möglicherweise schon am 14./15.02.2008 angedeutet. Die betreffende Lichtkurve zeigt bereits ein um 0,2 mag angehobenes Aktivitätsniveau. Ebenso lassen sich die Nachwehen des Ausbruchs noch am 6.03.2008 nachweisen, wie die folgende Lichtkurve zeigt. Sie ist im gleichen Zeitmaßstab und Helligkeitsbereich dargestellt wie die Lichtkurve vom 8.02.2008. Wie man sieht, ist das Niveau der Ruhephase noch nicht ganz erreicht.  

Teillichtkurve des Systems U Geminorum vom 6.03.2008. Die differentielle Helligkeit bezieht sich hier auf die selben Vergleichssterne wie am 08.02.2008. 

Bemerkenswert ist hierbei auch, dass im Unterschied zur Lichtkurve vom 08.02.2008 im gesamten Bereich D bis A2 deutliche Lichtschwankungen bei beständig abnehmender mittlerer Helligkeit stattfinden. Ein Zeichen für restliche Aktivitäten nach dem Ausbruch. Außerdem ist das Licht bei A2 in etwa so gering wie das Licht im Bedeckungsminimum dieser Kurve.  

Bedeckung des „Heißen Flecks“

Wie schon eingangs erwähnt, musste ich bei der Belichtungszeit einen Kompromiss eingehen, der dazu führte, dass für die Bedeckung meist nur 20 Datenpunkte zur Verfügung standen. Das reichte gerade so, um wenigstens die grundlegende Form dieses Kurvenabschnitts zu ermitteln. Das geringe SNR tat ein Übriges. So ist nicht immer ganz klar, ob im Kurvenboden gerade Flackern auftritt, oder ob es sich um die Folge von Messfehlern handelt.

Die folgende Bedeckungslichtkurve vom 07.02.2008 zeigt in einer Ausschnittsvergrößerung den bereits weiter oben erwähnten längeren Abstieg und kürzeren Aufstieg. Zusätzlich ist nun auch die unterschiedliche Kurvenform der beiden Äste sowie die Änderung der Steigung im fallenden Ast zu erkennen. Die Form des Kurvenbodens sieht hier fast rund aus, bleibt in der Gesamtschau der erhaltenen Minima aber unklar.

Der Begleitstern bedeckt den „Heißen Fleck“. Ausschnittsvergrößerung aus der Gesamtlichtkurve vom 07.02.2008.  Die differentielle Helligkeit bezieht sich hier auf die selben Vergleichssterne wie am 08.02.2008.  

Zudem wird in diesem Beispiel die Fortsetzung der Helligkeitskurve des „Heißen Flecks“ über das Minimum hinaus deutlich. Dies kommt nicht in allen Beispielen so gut heraus, besonders dann nicht, wenn nach dem Minimum gerade ein heftiges Flackern stattfindet.

Der Vergleich aller Minima zeigt außerdem, dass sich die Dauer, gemessen bei ½(m1+m2), in den zehn Tagen vor dem Ausbruch von 0,0053 d auf 0,005 d verkürzte. Ebenso verringerte sich die Tiefe in dieser Zeit von 0,73 mag auf 0,57 mag. Dabei sollte man aber im Sinn haben, dass der nicht gut fassbare Kurvenboden Unsicherheiten ins Spiel bringt.

Die Zeitpunkte der Minima (t0) ermittelte ich mit der von Krzeminski [4] für U Gem skizzierten Methode. Wie bei allen grafischen Methoden führen die subjektiven Abschätzungen der Ausgleichsgeraden zu einer hohen Fehlerbreite, die man allerdings durch mehrmaliges Anwenden der Methode verringern kann. Bei diesem Verfahren sollte man auf jeden Fall genügend breite Flügelstücke vor und nach der Bedeckung des „Heißen Flecks“ mit in die grafische Auswertung einbeziehen. Auf diese Weise gewinnen die einzuzeichnenden Ausgleichsgeraden an Verlässlichkeit. Besonders kritisch erscheint mir die Festlegung von m2 bei starker Streuung der Messwerte im Kurvenboden.  

Gemessen am derzeitigen Periodenwert von J. M. Kreiner schwanken meine B-R-Werte zwischen +0,0002 d und -0,0002 d. Damit kann ich bei der Datenlage zufrieden sein.  

Skizze von Krzeminski zur Ermittelung der Minima [4]. Nur auf U Gem anzuwenden! Die Linie KL ist die Halbierende des Abstandes der Ausgleichsgeraden des absteigenden und aufsteigenden Astes. Der Schnittpunkt des Lotes in Punkt M mit der Zeitachse ergibt den Minimumszeitpunkt t0.  

Periode

Betrachtet man die bis heute veröffentlichten Periodenwerte zu U Gem, so scheint sich eine geringe Verlängerung der Periode abzuzeichnen.  

0,17690591 d Krzeminsky, 1965  
0,17690617 d  Arnold u. Berg, 1976  
0,1769061898 d J. Smak, 1993, Acta Astronomica, 43, 121  
0,176906239 d  J. M. Kreiner, 2004, Acta Astronomica, 54, 207ff  
0,176906253 d J. M. Kreiner, pers. Mitteilung am 17.04.2008  

Anmerkung

Mit den verwendeten Instrumenten sind bei diesem interessanten Veränderlichen keine tiefgreifenderen Aussagen möglich. Über das Erreichte freue ich mich und werde im Rahmen meiner Möglichkeiten an dem Stern dranbleiben. Ich würde gerne einmal den Übergang vom Ruhezustand in den Ausbruch dokumentieren. In diesem Jahr war ja genau die Nacht vom 15. auf den 16. Febrauar wolkig, bzw. hat das Hausdach die weitere Beobachtung am 14./15.02.2008 verhindert.

Informationen zu U Gem aus dem GCVS (General Catalogue of Variable Stars) [5]

U Geminorum (Zwergnova): Dieses enge Doppelsternsystem besteht aus einem Zwergstern der Spektralklasse M4.5V, der sein Roche-Volumen ausfüllt, sowie einem Weißen Zwerg, der von einer Akkretionsscheibe umgeben ist. Die Umlaufperiode beträgt 4h 14m 44,7s. Für gewöhnlich werden nur kleinere, manchmal schnelle Lichtänderungen beobachtet, aber im Durchschnitt alle 103,06 Tage wächst die Helligkeit des Systems innert ein bis zwei Tagen um mehrere Größenklassen an und kehrt nach einem Zeitraum von fünf bis vierzehn Tagen in den ursprünglichen Zustand zurück. Im Minimum wird ein Kontinuums-Spektrum mit breiten H- und He-Emissionslinien abgestrahlt. Im Maximum verschwinden diese Linien fast oder werden zu flachen Absorptionslinien. Auf Grund unseres Einblickwinkels in das Sternsystem erleben wir pro Umlauf einen Bedeckungslichtwechsel, der durch die Bedeckung des „heißen Flecks“ bedingt ist, welcher durch das Auftreffen eines Gasstroms vom begleitenden M-Stern auf die Akkretionsscheibe entsteht.

[1] The eclipses of cataclysmic variables. II. U Geminorum; 1987ApJ...321..813Z     [2] http://www.bav-astro.de/eruptive/index.shtml 

[3] http://www.bav-astro.de/sterne/gemu.shtml     [4] The eclipsing binary U Geminorum; 1965ApJ…142..1051K

[5] http://www.sai.msu.su/groups/cluster/gcvs/gcvs/ 

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BB Vulpeculae

Ein kaum beachteter Veränderlicher im Sternbild Füchschen (Vulpecula) hat Geburtstag. Er feiert im August 2010 den hundersten Jahrestag seiner Entdeckung. Grund genug, sich einmal um ihn zu kümmern. 

Im BAV-Forum erschien vor einiger Zeit eine Mitteilung über die Neugestaltung der Funktionalität der „Lichtenknecker Database of the BAV“. Dabei wurde unter anderem die neue Statistikfunktion erwähnt. So kann man sich die Veränderlichen jetzt auch nach dem Datum ihrer letzten Beobachtung sortiert anzeigen lassen. In diesem Zusammenhang zeigte sich der Stern BB Vul (J2000 RA. 20h 32m 19.5s  Dek. +27° 39' 44") als Spitzenreiter, weil für ihn als erstes und letztes Beobachtungsdatum der 5.08.1910 angegeben wird. 

Das machte mich neugierig und ich schaute in der zugehörigen Beobachtungsliste der Datenbank nach und fand dort den Eintrag:

Minimum [HJD]: 2418889.41; Fotometrie: P; Beobachter: P. Parenago; Quelle: PZ 4.134

Somit hatte wohl P. Parenago die Veränderlichkeit des Sterns auf einer fotografischen Platte vom 5.08.1910 entdeckt und dies 1933 in der Zeitschrift Peremennyje Zvezdy (Veränderliche Sterne) veröffentlicht. Die Aufnahme konnte er nicht selbst belichtet haben, da er zu dem Zeitpunkt erst vier Jahre alt war. Das verlangte nach einer Klärung. Also suchte ich im Internet nach der entsprechenden Ausgabe von PZ in der Hoffnung, dass sie schon digitalisiert vorläge. Dem war aber nicht so. Zurzeit bekommt man nur neuere Ausgaben.

Daher wandte ich mich als Nächstes an die riesige SIMBAD Astronomical Database (Straßburg), um dort  nach vorhandenem Material zu BB Vul zu forschen. Dort fand ich sieben Literaturhinweise, von denen einige auf frei verfügbare Artikel verweisen. 

Die älteste Quelle sind die Astronomischen Nachrichten, Bd. 249, Nr. 5967: „Benennung von veränderlichen Sternen“, P. Guthnick, R. Prager, 1933. In dieser Ausgabe werden neben dem Namen BB Vul die Koordinaten sowie die maximale und minimale Helligkeit angegeben (12.5 / 13.2 / ph), eine Periode wird nicht genannt. In der Fußnote erscheint der Vermerk „Algolart“ sowie ein Verweis auf die Fußnote für V345 Cygni. In dieser steht, dass Beljawsky den Stern auf Simeiser Platten entdeckt hat und ihn als Bedeckungsveränderlichen eingeschätzt hat. Dazu kommt noch der Quellenverweis [NNVS 4.23 (37, 1932)]. Diese Quelle ist aber im Internet ebenfalls nicht verfügbar.

Nachdem nun zum zweiten Mal am Ende einer Spur eine russische Veröffentlichung stand, schrieb ich kurzentschlossen eine Email an Dr. Samus vom Sternberg Institut in Moskau. Er gibt mit seinem Team den GCVS (General Catalog of Variable Stars) heraus. Ebenso ist er Herausgeber von PZ und damit der richtige Ansprechpartner in dieser Sache. Schon am nächsten Tag lagen die Kopien der gesuchten Artikel sowie ein freundliches Begleitschreiben im Posteingang. Nach einigen weiteren, klärenden Emails stellt sich die Angelegenheit folgendermaßen dar.

Parenago ist demnach nicht, wie zunächst von mir vermutet, der Entdecker der Veränderlichkeit von BB Vul, sondern hat diese vermittels einer Fotoplattenserie bestätigt  die von verschiedenen Beobachtern am Moskauer Observatorium aufgenommen worden war. Von 47 Aufnahmen zwischen dem 21.10.1895 und dem 20.08.1911 konnte er den Stern auf 16 Platten ausmessen. Nur am 05.08.1910 zeigte sich der Stern mit 13,2 mag im schwächsten Licht. Diese Platte wurde von I. Kazansky aufgenommen, einem Beobachter, über den auch Dr. Samus nichts bekannt ist. Auch auf der Platte vom 18.09.1909 befand sich der Stern im geschwächten Licht, aber immerhin noch 0,2 mag von der Minimumshelligkeit entfernt. Bei der Bestätigung im Dezember 1932 bekam der Stern von Parenago die vorläufige Bezeichnung SVS 303 (Soviet Variable Star) und die Bemerkung Algolart.

Die Abbildung zeigt den  Anfang des Beitrages von Paul Parenago in PZ 4.134, in dem er unter anderem auch die Veränderlichkeit der von Beljawsky entdeckten Sterne bestätigt. Hinter der Bezeichnung SVS 303 verbirgt sich der uns interessierende BB Vul.

Der eigentliche Entdecker aber ist S. Beljawsky, der den Lichtwechsel des Sterns auf einem Plattenpaar der Sternwarte Simeis (Krim) vom 10. September und 8. Oktober 1931 bemerkte und dies 1932 veröffentlichte. Dabei fand er noch acht weitere Veränderliche. Der heute als BB Vul bekannte Veränderliche wurde von ihm als Nummer 3 vermerkt. Obwohl nur zwei Platten vorlagen, stufte er den Stern als Bedeckungsveränderlichen ein.

 

Die Abbildung zeigt Beljawskys kurzen Beitrag in NNVS 4.23 (37, 1932), in dem er die Entdeckung von neun veränderlichen Sternen im Cygnus mitteilt. Nr. 3 = SVS 303 = BB Vul.

 Den nächsten zugänglichen Hinweis auf BB Vul fand ich bei J. Sahade, F. Beron Davila: „Eclipsing Variables in Galactic Clusters“ in ANNALES D’ASTROPHYSIQUE, Vol. 26, S. 153 ff, 02/1963. Dort wird der Stern als Mitglied in dem offenen Sternhaufen NGC 6940 erwähnt. Die Veränderlichkeit wurde anscheinend nicht weiter überprüft, da in der beigefügten Tabelle bei den Elementen lediglich ein Strich eingetragen ist.

Mit der Veröffentlichung des Aufsatzes „New GCVS Data for Selected Volume III Variables“ von Antipin, S. V.; Pastukhova, E. N.; Samus, N. N. im IBVS 5613, März 2005, gibt es die lang ersehnten Informationen für den praktischen Beobachter. In dieser Arbeit haben die Autoren 49 im GCVS eingetragene Veränderliche mit Daten aus dem ROTSE-1- und ASAS-3-Katalog überarbeitet. Dadurch konnten rund 73 Jahre nach der Entdeckung auch für BB Vul endlich passende Elemente herausgegeben werden:

Typ: EA,RS

Epoche: JD hel. 2451345.913,

Periode: 0.93892 d,

Helligkeit : 12.0 – 12.7 mag V,

Bemerkung: 1RXS source.

Während der Nachforschungen zu dieser Arbeit konnte ich BB Vul bereits in mehreren Nächten beobachten. Dabei gelang mir am 24. Mai die Dokumentation des Nebenminimums. Die Folgebeobachtung in der nächsten Nacht zeigte, dass es eine Tiefe von rund 0,25 mag hat. Die Werte aus dem IBVS gestatteten mir nun auch die Konstruktion einer ersten Phasenlichtkurve. In diesem Fall hatte ich das Sternsystem im Bereich der Phase 0.5 beobachtet, also praktisch zur Halbzeit. In der Folgezeit bot das Wetter einige Möglichkeiten zu erneuten Beobachtungen, bei denen ich weitere Teilstücke für die Lichtkurve sammelte. Am 01. und 02.07.2010 gelang mir endlich die Beobachtung des Hauptminimums. Die beiliegende Phasenlichtkurve (Elemente aus IBVS 5613) zeigt das Ergebnis meiner bisherigen Beobachtungen 

Die Abbildung zeigt mein erstes Phasendiagramm von BB Vul aus eigenen Beobachtungen von Mai bis September 2010.

Demnach hat das Hauptminimum im ungefilterten Farbbereich der CCD-Kamera eine Tiefe von 0,6 mag und eine Breite von 0,12 d (rund 2h 50m). Das Nebenminimum findet bei Phase 0,5 statt. Da das Hauptminimum nicht exakt bei Phase 0 zu liegen kommt, besteht noch weiterer Beobachtungsbedarf, um die Elemente zu verbessern. In die gleiche Richtung weisen die in das Phasendiagramm aufgenommenen Auswertungen von Parenago. Sein Hauptminimum erscheint mit den gegenwärtigen Elementen bei Phase 0,09.

Die für einen Algol-Veränderlichen typische Lichtkurve weist allerdings einige Eigenheiten auf, die möglicherweise auf die RS-CVn-Natur des Sternsystems BB Vul hinweisen.

Da ist z. B. die Tatsache, dass von Mai bis Anfang Juli der Abschnitt vom Hauptminimum bis zum Nebenminimum heller ist, als der folgende Teil. Im Juli wird es dann richtig interessant. Meine Messungen vom 07. und 20.07. zeigen links vom Nebenminimum eine minimal geringere Helligkeit, als vorhergehende Messungen in diesem Phasenbereich, während die Messung vom 15.07. (in der Abbildung rechts vom Nebenminimum) im dortigen Trend bleibt. Zudem liegt die Helligkeit der Messung  vom 20.07. in der ersten Stunde noch in etwa auf dem Niveau der Vormonate in diesem Bereich. Meiner Meinung nach sind das sichere Hinweise für Aktivitäten, in diesem Fall Sternflecken, auf mindestens einem der Sterne im System.

Völlig überraschend zeigt die Messung vom 27.07. nun sogar nach dem Nebenminimum eine weitere Absenkung der Helligkeit. Allerdings steigt diese im Verlauf der Beobachtung langsam wieder an. Dieser Anstieg setzt sich auch am 30.07. bis auf das alte Niveau fort. Dies deutet darauf hin, dass der Flecken tragende Stern mit einer anderen Periode als das ganze System rotiert. Das zeigen auch die weiteren Beobachtungen bis in den September hinein. Eine genaue Analyse der Daten könnte vielleicht sogar eine Veränderung der Fleckengröße und die Lage auf der Sternoberfläche herausarbeiten.

ILeider kann ich das Helligkeitsverhalten vor dem Nebenminimum nicht in der gleichen Nacht beobachten, wie den Teil danach. Hier müssen weitere Beobachtungen, am besten auf entfernten Längengraden, ergänzendes Material liefern, damit das Helligkeitsverhalten von BB Vul erklärt werden kann. Eine mögliche Veränderlichkeit der Vergleichssterne scheidet als Ursache aus. Ich habe jedenfalls keine Hinweise darauf gefunden. BB Vul ist damit wohl mein spannendstes Beobachtungsobjekt, dicht gefolgt von U Geminorum als Bedeckungsveränderlicher. Da kann ich mich doch eigentlich freuen, dass er so lange nicht aktiv beobachtet wurde.

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Vier neue Veränderliche im Feld von BB Vul

Während meiner Beobachtungen an BB Vulpeculae stieß ich mittels der Suchfunktion im Fotometrieprogramm Muniwin im gleichen Feld auf vier weitere Veränderliche. Davon erwiesen sich die unten genannten Sterne SIR-V03, SIR-V05 und SIR-V06 als Neuentdeckungen, während SIR-V04 im ASAS-Katalog als Veränderlicher ohne Typbestimmung identifiziert ist.

Das Feld um BB Vul wurde in dreizehn Nächten (SIR-V04 in neun Nächten) zumeist über vier Stunden ungefiltert mit einer ST8XME CCD-Kamera am SCT C9 ¼ aufgenommen. Die Länge der Einzelaufnahmen betrug bei den ersten Serien 60 Sekunden später 120 Sekunden bei Binning 2 (18µm-Pixel).

Nach der Dunkelstrom- und Flatfieldkorrektur führte ich die fotometrische Auswertung mit Muniwin Ver. 1.1.24 von David Motl [1] aus. Nach Überführung der Ergebnisse in Excel, rechnete ich dort die Aufnahmezeitpunkte auf das heliozentrische Julianische Datum um, damit sie in den weiteren Berechnungen Verwendung finden konnten.

Bei den Aufnahmeserien, in denen offensichtlich ein Minimum abgebildet wurde, ermittelte ich die Zeitpunkte der Minima mit dem Programm AVE Ver. 2.51 von Rafael Barberá [2], welches zur Minimumsbestimmung den Algorithmus von Kwee & Van Woerden benutzt. Dies war bei den vorliegenden Daten ohne Weiteres zulässig, weil Abstieg und Anstieg der Helligkeit symmetrisch verlaufen. Selbst der Stern SIR-V06 zeigt trotz der sonst etwas unübersichtlichen Lichtkurve ein symmetrisches Minimum. Das deutet auf einen Bedeckungsveränderlichen mit mindestens einer aktiven Komponente hin.

Die Periode der Veränderlichkeit der Sterne bestimmte ich ebenfalls mittels AVE Ver. 2.51. Dazu wählte ich das Unterprogramm zur Periodensuche und darin das PDM-Verfahren (phase dispersion minimization; Stellingwerf, 1978) aus. Wählt man im dortigen Periodogramm den Datenpunkt mit dem niedrigsten Wert aus, so erhält man zumeist ein recht ungeordnetes Phasendiagramm. Erst durch Feinabstimmung mit den Cursortasten erreicht man schließlich die charakteristische Phasendarstellung des entsprechenden Veränderlichentyps. Die mittels Periodogramm erzeugten Ergebnisse beruhen allerdings stark auf einer visuellen Abschätzung des dargestellten Kurvenzuges, sind demnach subjektiv beeinflusst. Daher habe ich an verschiedenen Tagen das Programm wiederholt auf die Daten angewendet und schließlich einen Mittelwert gebildet.

In der nachfolgenden Darstellung der Veränderlichen erscheint zunächst die Nummer aus dem USNO-B1.0-Katalog, in Klammern meine interne Katalognummer, gefolgt von den Koordinaten. In der nächsten Zeile stehen die von mir aus den Messungen abgeleiteten Elemente, die bei der Erstellung des Phasendiagramms angewendet wurden. Der Doppelpunkt hinter der Periode oder dem Typ ist ein Hinweis darauf, dass die Werte noch unsicher sind. Abschliessend sind die Blau- und Rot-Helligkeiten aus dem USNO-B1.0-Katalog angegeben. Im Diagramm selbst werden differenzielle Helligkeiten zu den Vergleichssternen angegeben.

1. USNO-B1.0 1177-0635723 (SIR V03); RA 20 32 19.797, DE +27 42 59.31, J 2000

HJD (MinI) = 2455352.5050 (1) + E*0.46774 (2), Typ: EW;    B = 16.58 mag     R = 15.01 mag

 

 

2. USNO-B1.0 1178-0639212 = ASAS 203229+2751.6 (SIR V04); RA 20 32 29.14, DE +27 51 39.8, J 2000

HJD (MinI) = 2455405.4277(3) + E*0.50682(1), Typ: EB+RS:);    B = 14.95 mag     R = 12.99 mag

  

3. USNO-B1.0 1176-0623404 (SIR V05) ); RA 20 33 04.103, DE +27 40 22.53, J 2000

HJD (MinI) = 2455398.437(1) +E*0.30426(2), Typ: EW;    B = 16.54 mag     R = 15.07 mag

 

4. USNO-B1.0 1177-0636539 (SIR V06) ); RA 20 32 59.836, DE +27 47 46.66, J 2000

HJD (MinI) = 2455374.442(3) + E*0.6830(2):, Typ: RS: oder EA+BY:;    B = 16.51 mag     R = 14.17 mag

 

 

Zur Auffindung dieser Objekte ist wegen ihrer geringen Helligkeit keine Karte abgedruckt. In diesem Fall ist der Zugang über SIMBAD Astronomical Database [3] der richtige Weg. In der Kopfzeile der Startseite klickt man auf das VizieR-Symbol, um zur Katalogauswahl zu kommen. Dort gibt man im obersten Suchfeld „USNO-B1.0“ ein und klickt rechts auf die Schaltfläche „Find Catalogue“. Die nun erscheinende Seite des Katalogs rollt man etwas nach oben, sodass der Eintrag „Query by Constraints applied on Columns“ und folgende Zeilen sichtbar werden. In das freie Feld hinter „USNO-B1.0“ gibt man nun die Katalognummer des Sterns ein und klickt weiter rechts unten auf die Schaltfläche „Submit Query“. Sofort erscheinen die Katalogeinträge zu dem ausgewählten Stern auf dem Bildschirm. Wir wollen aber eine Karte und klicken deshalb ganz links auf die „1“ unter „Full“. Auf diese Weise kommen wir auf die Seite mit den ausführlichen Angaben und, für uns wichtig, der Schaltfläche „Aladin Image“. Achtung: Aladin Image braucht Java! Ein Klick darauf lässt innerhalb weniger Sekunden ein 12’ x 12’ grosses Foto mit dem markierten Stern in der Mitte auf dem Bildschirm erscheinen. Aladin Image kann allerdings viel mehr, als nur ein Himmelfoto plus Katalogeintrag auf den Bildschirm zu zaubern. Ein Klick auf das „Datei öffnen“-Symbol oben links zeigt, was noch alles an Daten- und Foto-Overlays möglich ist. Weiter gehende Erläuterungen dazu würden aber den Rahmen dieses Artikel bei weitem sprengen.

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